Klimaneutralität und Klimaschutzprojekte

Nachdem Sie die Treibhausgasbilanz Ihres Unternehmens oder Ihres Produktes erstellt und alle erdenklichen Maßnahmen getroffen haben, um Effizienz und Suffizienz zu steigern, kann Sie der nächste Schritt zur Klimaneutralität führen. Was das ist und wie es funktioniert, wollen wir Ihnen im Folgenden erklären.

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Definition Klimaneutralität
„Klimaneutral“ ist ein erklärungsbedürftiger Begriff. Er ist gleichzusetzen mit den Begriffen „CO2-neutral“ oder dem englischen „carboneutral“ und bedeutet, dass die als klimaneutral beschriebene Sache das globale CO2-Gleichgewicht nicht verändert.
Das ist entweder dann gegeben, wenn – was selten der Fall ist – die Sache über ihren Lebenszyklus hinweg keine Treibhausgase freisetzt und insbesondere ohne CO2 aus fossilen Energieträgern auskommt. In allen anderen Fällen verursacht die Sache zwar Treibhausgasemissionen, die errechnete Menge an Treibhausgasen wird jedoch durch den Ankauf der entsprechenden Menge an Emissionsrechten ausgeglichen.

Für Druckprodukte spricht man besser von “klimakompensiert” – getreu nach dem Motto “Vermeiden, Reduzieren, Ausgleichen”. Eine entsprechende Empfehlung gibt die Media Mundo-Initiative.

Der Ausgleich der Emissionen ist ein rechnerischer Vorgang: Die Treibhausgasemissionen entstehen unwiderruflich und gelangen in die Atmosphäre. Damit das globale CO2-Gleichgewicht rechnerisch nicht belastet wird, gilt es andernorts Treibhausgasemissionen in entsprechender Menge einzusparen. Diese Einsparung kann nach dem Clean Development Mechanism des Kyoto- Protokolls z.B. dadurch bewirkt werden, dass in einem Staat, der sich nicht zur Verminderung seiner Emissionen verpflichtet hat, zusätzliche Maßnahmen getroffen werden, die zur Verringerung der Treibhausgasemissionen im entsprechenden Land führen. Diese Maßnahmen nennt man Klimaschutzprojekte. Sie haben zumeist die Errichtung und den Betrieb von Anlagen zur Erzeugung von Energie auf regenerativer Basis zum Gegenstand. In anderen Fällen wird die zusätzliche Einsparung von Emissionen durch Energieeffizienzmaßnahmen bewirkt.
Der Staat, in dem diese Projekte stattfinden, hat nach dem Kyoto-Protokoll keine Klimaschutzziele zu erfüllen, für die er die Emissionseinsparung benötigen würde. Die Einsparungen durch die Klimaschutzprojekte sind demnach demjenigen anzurechnen, der die zusätzliche Maßnahme finanziell ermöglicht hat, namentlich dem Investor des zusätzlichen Klimaschutzprojekts. Dieser erhält als Gegenleistung für sein Investment handelbare Emissionsrechte und mindert so seine Emissionen.

Hinter dem Emissionshandel und dem Clean Development Mechanism steht ein einfacher Gedanke: Wenn im Land A zu den gleichen Kosten mehr Emissionen reduziert werden können als im Land B, dann schafft der Emissionshandel Anreize zu zusätzlichen Klimaschutzmaßnahmen im Land A, von denen auch das Land B profitiert, da es diese Emissionsminderung zugerechnet bekommt. Bildet sich für die Emissionsrechte ein Preis am Markt, kann anhand des Marktpreises einfach nachvollzogen werden, ob der Kauf von Emissionsrechten oder die Emissionsminderung jeweils wirtschaftlich (und ökologisch) sinnvoller ist.

Standards für Klimaschutzprojekte
Klimaschutzprojekte, die nach dem im Kyoto-Protokoll vorgesehenen Mechanismus CDM zur Entstehung kommen, heißen „Certified Emission Reductions“ („CER“, zertifizierte Emissionsreduktionen). Sie wenden sich in erster Linie an die Vertragsstaaten, die nach dem Kyoto-Protokoll zur Emissionsreduktion verpflichtet sind. Dieser Markt wird auch Verpflichteter Markt (engl. „Compliance Market“) genannt.
Unternehmen, deren industrielle Einrichtungen nicht dem Verpflichteten Markt unterliegen, werden als Teilnehmer des Freiwilligen Markts (engl. „Voluntary Market“) bezeichnet. Im Freiwilligen Markt spielen CERs nur eine untergeordnete Rolle.
Emissionsrechte, die im Freiwilligen Markt üblicherweise gehandelt werden, heißen „Verified Emission Reductions“ („VER“, verifizierte Emissionsreduktionen“). Da sie dem Kyoto-Protokoll nicht unterliegen, gibt es hierfür keinen überstaatlichen Standard mit Gesetzesrang. Allerdings haben Marktteilnehmer zwischenzeitlich einige Standardisierungsbemühungen angestrengt, als deren Folge sich die folgenden Kennzeichnungen eingebürgert haben, die für gute Qualität bei Emissionsrechten stehen:

  • VCS („Voluntary Carbon Standard“): Der Standard der VCS Association mit Sitz in Washington D.C., USA
  • VER+: Gemeinsam mit der Plattform „BlueRegistry“ der Standard des TÜV Süd e.V. mit Sitz in München
  • Gold Standard VER: Der bekannteste Standard im Freiwilligen Markt der Gold Standard Foundation mit Sitz in Genf, Schweiz

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