Re-Evolution NOW! Rohstoffe

Rohstoffe sind laut Wikipedia natürliche Ressourcen, die bis auf die Lösung aus ihrer natürlichen Quelle noch keine Bearbeitung erfahren haben. Sie werden aufgrund ihres Gebrauchswertes aus der Natur gewonnen und entweder direkt konsumiert oder als Ausgangsmaterialien zur weiteren Verarbeitung in der Produktion verwendet. Primäre Rohstoffe stammen aus natürlichen Quellen. Durch Wiederverwertung (Recycling) gewonnene Rohstoffe werden Sekundärrohstoffe genannt.

Zur Klassifikation von Rohstoffen gibt es unterschiedliche Systeme. Häufig werden natürliche Eigenschaften, der Grad der Regenerierbarkeit, die Herkunft sowie der Verwendungszweck als Kriterien zur systematischen Einteilung herangezogen.
Je nach Grad ihrer Regenerierbarkeit können diese in erneuerbare und nicht-erneuerbare Rohstoffe eingeteilt werden. Erstere sind nachwachsende Rohstoffe aus dem Tier- und Pflanzenreich sowie auch anorganische Stoffe wie Wasser, Luft und Sonne. Letztere sind mineralische und fossile Stoffe, die sich in geologischen oder astronomischen Zeiträumen gebildet haben wie beispielsweise Öl oder Metalle.

Rohstoffe sind endlich
Die Endlichkeit von Luft, Wasser und Land ist den Menschen erst in neuerer Zeit bewusst geworden. Der Zugang zu bestimmten Rohstoffen, insbesondere Metallen, hingegen bereitete bereits in einer frühen historischen Epoche erhebliche Schwierigkeiten. So war es für Individuen und Völker bereits vor Jahrtausenden existenziell über Kupfer, Zink und Eisenerz zu verfügen. Diese Rohstoffe waren so begehrt, dass immer wieder Kriege um sie geführt wurden.
Der Anbruch der Moderne ließ den Rohstoffbedarf beachtlich steigen. Über weite Zeiträume konnten frühindustrialisierte Länder ihren Bedarf noch aus eigenen Vorkommen decken. Anders als heute war insbesondere Europa reich an Rohstoffen: Kohle, Eisenerz, Zinn, Blei und weitere Rohstoffe gab es reichlich. Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung änderte sich dies. Die Bodenschätze wurden zügig ausgebeutet und bald traten erste Engpässe auf. Europa und in Folge auch Amerika und Japan stillten ihren wachsenden Rohstoffhunger in anderen Regionen der Erde, was dem Kolonialismus eine neue Bedeutung zubrachte: die Welt als Warenlager für Rohstoffe.

Diese Länder demonstrierten, dass auch die ergiebigsten Lagerstätten ausgebeutet werden können und unwiederbringlich verloren sind – im besten Fall lassen sie eine renaturierte Industriebrache zurück, im schlimmsten Fall kontaminiertes Gelände. Genauso zeigte sich aber auch, dass es keine Garantie dafür gibt, dass für jede ausgebeutete Lagerstätte eine ebenso ergiebige wieder erschlossen werden kann. Immer größere Anstrengungen wurden nötig, um an die heiß begehrten Ressourcen heranzukommen. Geringere Erträge und schlechtere Qualität mussten im Gegenzug in Kauf genommen werden. Der unermessliche Rohstoffhunger machte nicht einmal vor den fragilsten Ökosysteme halt.

Auf den Rohstoffreichtum folgte Rohstoffarmut; viele frühindustrialisierte Länder sind reich und arm zugleich geworden. Hätten sie richtig bilanziert, hätten sie dies frühzeitig erkennen können.

Konflikte um die Verteilung und explodierende Rohstoffpreise
Glücklicherweise gab es in vielen nicht industrialisierten Ländern Rohstoffvorräte, die weitgehend unberührt waren und die nun unter Ausfechtung blutiger Konflikte unter den Industrieländern aufgeteilt werden konnten. Schon der Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde aufgrund lothringischen Eisenerzes geführt und auch in den beiden Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts spielten nach Meinung mancher Historiker Rohstoffe eine entscheidende Rolle.
Welche Konflikte diesbezüglich noch auflodern werden, ist schwer abzuschätzen. Dass sie auflodern werden, ist Fakt. Wenn ein Fünftel der Weltbevölkerung vier Fünftel der globalen Ressourcen für sich beanspruchen, dann sind Konflikte vorprogrammiert. Insbesondere, wenn aufstrebende Länder wie China oder Indien nach westlichem Vorbild ihren Wohlstand mehren wollen. Angenommen alle Länder würden nach dem westlichen System wirtschaften, so bräuchten wir vier bis fünf Erden, um den Rohstoffbedarf aller zu decken.

Wir haben aber nur eine! Und auch die übernutzen wir bereits um ca. ein Fünftel. Jedes Jahr findet der Earth-Overshoot-Day früher statt. Dieses Jahr war es der 26. September.

Man kann den aufstrebenden Ländern keinen Vorwurf machen, dass die Rohstoffpreise explodieren. Bis zur Jahrtausendwende fragte ein Fünftel der Menschheit Rohstoffe nach, heute ist es etwa die Hälfte der Weltbevölkerung (3,5 Mrd. Menschen) – Tendenz steigend. Das Fundament für das Wirtschaftswachstum, eine unerschöpfliche Rohstoffbasis- wenn es sie je gegeben hat-, ist nicht mehr gegeben. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage klafft auseinander. Besonders offensichtlich tritt dies am Beispiel der sogenannten “Seltenen Erden” zu Tage. Dies sind Metalle und Mineralien, die gegenwärtig für bestimmte Hochtechnologien unverzichtbar sind. Japaner, Chinesen, Europäer und Amerikaner stehen diesbezüglich in einem erbitterten Wettbewerb. Doch das ist nicht der Hauptgrund dafür, dass manche diese seltenen Erden auch Konfliktmineralien nennen.

Als Beispiel sei hier Coltan genannt, ein spezielles Mineral, das für die Produktion unserer Handys nötig ist. Rund 80 Prozent der Vorkommen befinden sich in Konfliktregionen des Ost-Kongo. Dort gibt es über 100 Minen, die vom Militär kontrolliert werden, das wiederum mit den Einnahmen aus dem Abbau einen Krieg finanziert, der mittlerweile seit 15 Jahren andauert und bis heute rund 5 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.
Der Autor Frank Piasecki Poulsen hat daüber einen eindrucksvollen Film gedreht. Er hat sich hierfür auf eine lebensgefährliche Suche in die Coltan-Minen im Kongo gemacht, ist in eine Mine hinabgestiegen, in der Kinder oft Tage in den dunklen Tunneln graben und leben. Der Lohn: ein paar Cent.
Mit dem Material konfrontierte er Nokia. Dem Unternehmen ist dieser Umstand seit ungefähr zehn(!) Jahren bekannt. Getan hat Nokia wie auch die anderen Handyhersteller in diesem Zeitraum wenig bis gar nichts, da es sich um ein globales Problem handle, dessen sie alleine nicht Herr werden können. Vielmehr sehen sie internationale Organisationen in der Verantwortung den ersten Schritt zu machen.
Den Vorschlag ihre Lieferkette offenzulegen, um die Herkunft der Mineralien transparent zu machen, lehnen sie aus Wettbewerbsgründen ab.

Die Rechnung für entstandene Schäden zahlen nicht die Verursacher
Im Hinblick auf Transparenz entspricht der Sportartikelhersteller Puma dem völligen Gegenteil. Das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach veröffentlichte erstmals eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (GuVr), die gemeinsam mit der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) erstellt wurde. Insgesamt verursachte das Unternehmen Kosten in Höhe von 94,4 Millionen Euro an Umweltauswirkungen. Den größten Anteil an den Kosten haben Treibhausgase und der Wasserverbrauch.
Puma ist zugleich weltweit der erste Konzern, der diese Zahlen veröffentlicht und transparent darstellt, welche Kosten die Produktion tatsächlich verursacht.

Unternehmen mit einer transparenten Berichterstattung gewinnen an Glaubwürdigkeit gegenüber immer kritischeren Konsumenten. Unternehmen, die diese Thema künftig nicht adressieren oder es gar verheimlichen wollen, werden hingegen an Glaubwürdigkeit verlieren.

Im Lexikon der Nachhaltigkeit heißt es hier zu passend: “Umweltschäden lassen sich berechnen und können auf Unternehmen zurückschlagen.”

Es war ein mutiger Schritt von Puma und ich wünsche mir, dass noch weitere Unternehmen diesem Beispiel folgen werden, damit die tatsächlichen Kosten eines Produkts oder einer Dienstleistung bilanziert werden können.
Wenn jedes Unternehmen für die tatsächlichen Kosten (Umweltzerstörung, Vergiftung von Flüssen und Böden, Umsiedlung von Menschen, Menschenrechtsverletzungen, etc.) der durch den Abbau in der Produktion benötigten Rohstoffe aufkommen müsste und diese nicht in die Länder der Dritten Welt auslagern würde, dann müssten längst andere Rohstoffpreise bezahlt werden, die uns zu einem effizienteren Umgang mit Rohstoffen veranlassen würden.

Die traurige Realität ist jedoch, dass im Verlauf einer Wertschöpfungskette zwar der Wert eines Produktes steigt. Diese Wertsteigerung schließt aber nur die menschliche Arbeit und nicht die Umweltkosten ein.

Das Institut SÜDWIND e.V. hat hierzu gerade eine neue Studie veröffentlicht. Zudem finden sich auf der Internetseite zahlreiche weiterführende Informationen zum Thema Rohstoffe und Nachhaltigkeit.
Nicht zuletzt möchte ich Sie auf die Initiative Faires Gold aufmerksam machen, die abseits von Marktkräften zeigt, wie ein fairer Rohstoffhandel möglich ist.

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