Ressourceneffizienz versus -suffizienz – zwei Begriffe, die einander ausschließen?!

Vielerorts stehen Verbraucher – Unternehmen wie Privatpersonen – vor der Frage, ob sie ihre Altgeräte durch effizientere Neugeräte, die weniger Strom bzw. Ressourcen verbrauchen, ersetzen sollen. Sie stehen buchstäblich vor einem Dilemma: sollen Sie sich nun den neuesten A++ Kühlschrank kaufen und den vorletztes Jahr gekauften – obwohl er bestens funktioniert – hinauswerfen? Lohnt sich das in Anbetracht der Ressourcen, die für den Bau des neuen Modells benötigt werden? Ist das effizient? Oder ist das der falsche Ansatzpunkt?

Was ist Ressourceneffizienz?
Effizienz oder genauer gesagt Ökoeffizienz ist wissenschaftlich betrachtet der Quotient aus dem wirtschaftlichen Wert eines Produktes und den durch den Herstellungsvorgang auf die Umwelt ausgeübten Auswirkungen, gemessen in einer geeigneten Einheit. Ökoeffizienz wird laut dem Wirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung (World Business Council for Sustainable Development, WBCSD) dann erreicht, wenn Güter und Dienstleistungen preislich wettbewerbsfähig sind, menschliche Lebensbedürfnisse befriedigen und Lebensqualität bringen.

Als Formel ausgedrückt: Ökoeffizienz = (Wirtschaftlicher Wert eines Produktes)/(Einfluss bzw. Auswirkungen auf die Umwelt)

Um ein möglichst großes Maß an Ökoeffizienz zu erreichen müssen der wirtschaftliche Wert eines Produkts maximiert und die Umweltbelastung pro Produkt minimiert werden. In die Berechnung werden sowohl der Herstellungsprozess als auch der Gebrauch/Nutzen und die spätere Entsorgung (bei Produkten) einbezogen.
Die Verminderung der Material- und Energieintensität von Produkten und die Reduzierung des Schadstoffausstoßes sollen zusammen mit der Erhöhung der Recyclingfähigkeit von Produkten sowie dem maximalen Einsatz wiederverwendeter Materialien eine möglichst geringe Umweltbelastung bewirken.

Die Ökoeffizienz ist also eine Kennzahl, mit der Produktionsprozesse und Produkte wirtschaftlicher gestaltet werden sollen. Mit ihr lässt sich aber keine Aussage über die grundsätzliche Tragfähigkeit des Ökosystems treffen. Genauso wenig lässt sich daran messen, ob der Verbrauch an Ressourcen und insbesondere Energie dadurch insgesamt sinkt.

Um wirklich verantwortungsbewusst mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen, bedarf es einer weiteren Komponente: der Suffizienz.

Was ist Ressourcensuffizienz?
Lassen Sie mich das anhand eines Beispiels erklären. Bleiben wir beim Kühlschrank von oben. Sie haben einen zehn Jahre alten Kühlschrank (bei dem es sich wirklich lohnt ihn aus Effizienzgründen durch das neuste/sparsamste Modell zu ersetzen). Die Kosten, die Sie sich durch einen geringeren Stromverbrauch bei einem gleichgroßen Modell sparen würden, investieren Sie aber in ein größeres Modell mit einem ebenfalls größeren Gefrierfach, womit der Einspareffekt hinsichtlich des Energieverbrauchs nur teilweise verwirklicht wird. Dies wird auch als Rebound–Effekt bezeichnet. Wenn die Effizienzsteigerung gar zu einem höheren Verbrauch (das heißt zu einem Rebound-Effekt von über 100 Prozent) führt, wird von Backfire gesprochen.

Oder belegen wir es an einem Beispiel der Autoindustrie: Prof. Uwe Schneidewind vom Wuppertaler Institut hat kürzlich ein Impulspapier zu Suffizienz als Business Case veröffentlicht und sich das Beispiel des VW-Käfers herausgegriffen: er vergleicht ein Modell aus dem Jahre 1955 mit einem New Beetle Baujahr 2005. „Obwohl zwischen beiden Modellen 50 Jahre Motorenentwicklung liegen und der Motor des New Beetle sehr viel effizienter ist, haben beide Fahrzeuge fast den identischen Kraftstoffverbrauch. Als Gründe nennt Schneidewind die wesentlich umfangreichere Ausstattung, die auch zu mehr Gewicht führt sowie die deutlich höhere Motorleistung. „Würde dagegen ein VW-Käfer mithilfe heutiger Technologie, jedoch mit gleichbleibendem Gewicht und gleicher Motorleistung gebaut, wäre der Kraftstoffverbrauch geringer und die Effizienz der Technik würde einen spürbaren Einsparungseffekt erbringen“.

Wenn also die eingesparten Kosten zu einem Mehrkonsum größerer und aufwändigerer Modelle oder gar zu einem Mehrkonsum weiterer Güter führen, ist ein Umdenken im System notwendig. Ziel ist die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger absolut sinkender Umweltbelastung. Suffizienzstrategien, d.h. Ansätze des “Weniger”, “Langsamer”, “Regionaler”, müssen Orientierungspunkt für unternehmerische Strategien werden. Schneidewind fordert den Brückenschlag von der globalen Umweltsystemforschung zu konkreten Managementansätzen zu finden, damit Suffizienzorientierung, als effektivste Form der Ressourceneffizienz, das Potenzial entfalten kann, eine strategische und richtungssichere Handlungsoption für Unternehmen zu sein.

Das dies bereits heute möglich ist, zeigen die folgenden Beispiele.

Ansätze für „Weniger“, „Langsamer“ und „Regionaler“
„Weniger“: Ein Beispiel für die „Entrümpelung“ kommt wiederum aus der Autoindustrie. Immer mehr Menschen leben in Städten und sind Dank öffentlicher Verkehrsmittel nicht auf ein Auto angewiesen, sodass Möglichkeiten des Car-Sharings immer attraktiver werden. Es geht nicht mehr darum, etwas zu besitzen, das viel Geld kostet und die Hälfte der Zeit ungenutzt auf einem gemieteten Stellplatz steht. Viele große Automobilhersteller haben inzwischen umfassende Car-Sharing-Modelle entwickelt und bauen diese aktuell aus. Darunter finden sich beispielsweise Daimler, BMW, VW, Toyota oder auch Peugeot.

„Langsamer“: Die Notwendigkeit zur „Entschleunigung“ der Drehscheibe des Konsums zeigt sich besonders deutlich am Beispiel des Mobiltelefons. Vertragsgebundene Nutzer bekommen alle zwei Jahre ein neues Gerät, obwohl das alte noch bestens funktioniert; nur, weil vielleicht die Kamera im neuen Gerät eine bessere Auflösung hat. Gerade einmal ein Prozent aller heute produzierten Waren sind noch nach einem halben Jahr im Umlauf. Die anderen 99 Prozent landen auf dem Müll, weil sie entweder kaputt sind oder nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entsprechen. In Anbetracht der Konflikte, die bei der Gewinnung der zur Herstellung benötigten Rohstoffe in Entwicklungsländern entbrennen und bisher unterentwickelten Recyclingmöglichkeiten, sollte jeder sein Handy so gut als möglich pflegen und es nicht voreilig durch ein anderes ersetzen. Die Verlängerung der Lebensdauer und der Garantielaufzeiten sind hierbei von oberster Priorität.

„Regionaler“: Ein hervorragendes Beispiel für die „Entflechtung“ der Zulieferstrukturen liefert McDonald’s Deutschland. Die Verbraucher sind durch die zunehmende Zahl der Lebensmittelskandale im Fleischbereich äußerst sensibel geworden, woher das Fleisch kommt. Daher hat es McDonald’s zu einem Teil seines Qualitätsversprechens gemacht, die Zulieferstrukturen zu regionalisieren. Kein leichtes Unterfangen. Bei rund 50.000 Tonnen Rindfleisch, die pro Jahr verarbeitet werden, sind die Anforderungen an eine Regionalisierungsstrategie erheblich, da eine sehr große Anzahl an Zulieferern koordiniert werden müssen. Mittlerweile kommen bei McDonald’s Deutschland 100% des Schweinefleischs, 93% des Rindfleisches sowie 74% der Eier, 66% der Kartoffeln und 100% der genutzten Milch aus Deutschland. Bei Salaten (21%) und Hühnerfleisch (19%) sind die Quoten noch gering. Mit der Regionalisierung der Lieferkette sind ökologische Vorteile verbunden, mit deren Hilfe McDonald ́s Deutschland der Verantwortung einer nachhaltigen Entwicklung stellt, die insbesondere in Europa der ökologisch zunehmend sensibilisierte Markt fordert.

Auch für die Druck- und Medienproduktion lassen sich solche Beispiele erdenken. Wenn Sie eines kennen oder vielleicht selbst entwickelt haben, dann schreiben Sie es uns doch.

(Katrin Oppitz)

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