Synergien nutzen: Prozessoptimierung und Nachhaltigkeit

Die Prozessoptimierung ist eine der wesentlichen Herausforderungen, denen sich die die grafische Industrie stellen muss. Das gilt sowohl für wirtschaftliche Gesichtspunkte, denn der Konkurrenzdruck ist groß, als auch für die nachhaltige Produktion.

Die Prozessoptimierung ist angesichts des steigenden Wettbewerbs eine notwendige Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit eines Druckunternehmens. So erachten von den 320 Mitgliedsbetrieben des IRD knapp 90% Prozessoptimierung als eines der drei wichtigsten Kriterien ihrer Strategie. Ähnliches gilt für die Nachhaltigkeit der Produktion. Die Nachfrage nach nachhaltigen Medienprodukten steigt kontinuierlich, während entsprechende Technologie und Materialien mittlerweile einen hohen Stand haben.

Beide Zukunftstrends beruhen auf einer gemeinsamen Basis: der kontinuierlichen Analyse von Prozessen und Strukturen zur konsequenten Weiterentwicklung von Produktion und Produkten. Insofern bedingen sich Prozessoptimierung und Nachhaltigkeit gegenseitig und bauen aufeinander auf.

Grundlage ProzessStandard
Dabei bildet der ProzessStandard mittlerweile längst nicht mehr das Ziel einer optimierten Produktion, sondern ist eine notwendige Voraussetzung. „Nahezu alle Unternehmen, die in einer leistungsfähigen Liga zumindest den Anspruch erheben, industriell zu produzieren, haben den PSO. Der Deckungsgrad beträgt hier sicherlich 90%. Allerdings muss man auch ganz klar unterschieden: Es sind zwei verschiedene Paar Schuhe den PSO zu haben oder den PSO professionell und nicht nur im Rahmen der entsprechenden Zertifizierungsaudits zu betreiben“, hält Eckhard Bölke, Institutsleiter des IRD fest.

Eckhard Bölke

Eckhard Bölke

Zudem stößt auch der PSO an kritische Grenzen: „Gleiche Bedruckstoffe eines gleichen Herstellers können beispielsweise in Bezug auf die Tonwertzunahme sehr unterschiedlich wirken. Der Grund liegt unter anderem in Beschaffenheit und Zusammensetzung der verwendeten Rohstoffe in verschiedenen Produktionschargen. Sicher werden hochwertige Papiere produziert, aber auch bei der Papierproduktion sind Kostenoptimierung und Verfügbarkeit der Rohstoffe entscheidende Kriterien. Während optische und mechanische Eigenschaften ausgeprägten Prüfungen unterliegen, muss die Abstimmung der Verdruckbarkeit im Sinne der reprodzierbaren, industriellen und nachhaltigen Druckprozesse stärker in den Vordergrund rücken. Hier geht es nicht um Polarisierung und Schuldzuweisung, sondern um die Notwendigkeit, beide Seiten im Sinne der Weiterentwicklung vorhandener und neuer Standards näher zusammenzubringen“, so Eckhard Bölke.

Der kritische Faktor Papier
Gerade der Faktor Papier macht die effiziente Produktion zu einem sehr vielschichtigen Thema. „Fakt sind extreme Schwankungen in den produktionstechnischen Bedingungen, insbesondere in den erreichbaren effektiven Fortdruckgeschwindigkeiten. Bei Hochleistungsmaschinen treten zwischen optimierten und weniger gut geeigneten Papieren Differenzen von bis zu 20% auf. Gleiches gilt auch für die Makulatur und die Farbverbräuche, die ebenfalls bei verschiedenen Papieren sehr unterschiedlich ausfallen und sogar zwischen einzelnen Chargen eines einzelnen Herstellers erheblich schwanken können. Das sind Beispiele dafür, wo die Prozessoptimierung eine direkte Konsequenz für die Nachhaltigkeit der Produktion hat“, erklärt Eckhard Bölke.

Ein tatsächlicher Fortschritt bietet in dieser Hinsicht die PaperChecker-Technologie. Der PaperChecker misst die Benetzungseigenschaften des Papiers oder des Kartons und das ist für den Offsetprozess unter anderem im Beispiel der Farbannahme eines der wesentlichen Kriterien. Somit lässt sich die Verdruckbarkeit und das jeweils optimale Material im Vorfeld bestimmen. „Die Möglichkeit, Messergebnisse schon im Vorstufenprozess zu verwenden, gewährleistet nicht nur eine geringere Makulatur, sondern auch kurze Einrichtezeiten. Druckplatten werden gleich mit dem richtigen Profil erzeug. Neben hohen Laufgeschwindigkeiten lassen sich zusätzlich Effekte von Geistern oder die Trocknung entsprechend mit interpretieren“, fügt Eckhard Bölke hinzu. „Auf diese Weise lassen sich übrigens auch Reklamationen bis hin zur Nachproduktion vermeiden. Kunden haben ein gesteigertes Qualitätsempfinden an Printprodukte. Wenn sie also heute etwas bestellen, das sie bereits vor einem Jahr schon einmal haben produzieren lassen, werden sie Unterschiede nicht akzeptieren, wenn das Material das gleiche ist. Und das widerspricht natürlich auch dem Nachhaltigkeitsgedanken.“

Kosten sparen
Hinzu kommt der wirtschaftliche Aspekt. Denn immerhin machen Reklamationskosten – eine konsequente interne und externe Erfassung vorausgesetzt – bei Benchmarkunternehmen nur noch etwa 0,6% vom Umsatz aus, teilweise auch weniger. Bei Durchschnittsunternehmen liegen die Kosten bei etwa 1,5% vom Umsatz. Insofern ist der Verzicht auf eine effiziente und nachhaltige Produktion auch ein teures Vergnügen.

Bei modernster Technologie lässt sich dagegen beispielsweise im Bogenbereich und analog dazu auch im Rollenbereich die Makulatur um bis zu 40% bis 50% senken. „Bei Inlinemessungen hat sich auch in der Praxis gezeigt, dass man mit neuen Maschinen den Makulaturverbrauch nahezu halbieren kann“, bestätigt Eckhard Bölke. „Ein weiterer Faktor ist die Verdruckbarkeit. Mit optimierten Papieren kommen noch einmal etwa 10% bis 15% hinzu. Und schließlich können in Akzidenzbetreiben durch eine sinnvolle Blockbildung weiter Einsparpotenziale im einstelligen Bereich realisiert werden – beispielsweise durch weniger häufige Wechsel.“

Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit optimierten Prozessen von einer zum Teil erheblichen Energieersparnis. „Der Leistungsverbrauch der einzelnen Maschinen steigt im Vergleich zur Geschwindigkeitserhöhung nicht linear. Also ist jede Leistungssteigerung an sich auch eine energieoptimierende Maßnahme“, erklärt Eckhard Bölke. „Hier spielt auch eine weitere Baustelle eine gewichtige Rolle: die Frage, wie es gelingt, den gesamten Produktionsprozess durchgängig zu steuern. Überspitzt gesagt wird das Thema Flexibilität häufig mit einer ‚chaotischen‘ Produktion verwechselt. Das bedingt Auftragsunterbrechungen, Mehrfacheinrichtungen und ist somit nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sondern auch von Energie. Auch in dieser Richtung gehen mit der besseren Planbarkeit der gesamten Produktion erhebliche Einsparpotenziale einher. Das bedingt natürlich, dass die Vernetzung zum Kunden unter diesem erweiterten Koordinationseffekt verstanden wird.

Ohnehin ist die optimierte Schnittstelle zwischen Druckerei und Kunden in Bezug auf Nachhaltigkeitsstrategien entscheidend. Dazu zählt beispielsweise die optimierte Mengenbezifferung. Zurzeit wird laut allgemeinen AGBs vielfach nicht nur die bestellte Menge, sondern ergebnisoptimierend 10% mehr geliefert. Im Sinne der Ressourcenschonung muss dies infrage gestellt werden. Gleiches gilt auch für alle internen Prozesse. Sie müssen so ausgerichtet sein, dass eine durch nicht hinterfragtes Sicherheitsdenken getriebene Überproduktion reduziert wird, ein wichtiger Aspekt gerade bei mehrteiligen Produkten.

Ungenutzte Potenziale
Die Prozessoptimierung bietet also einen konkreten Nutzen für die Unternehmen und ist angesichts der Wettbewerbssituation ein absolutes Muss. „Die durchschnittliche Produktivitätssteigerung pro Jahr liegt zwischen 3% und 4,5%. Das ist sicherlich in erster Priorität der Wettbewerbssituation geschuldet“, erklärt Eckhard Bölke. „Und das ist auch das absolute Minimum, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sicherlich kommt dann als zweite Komponente die Ressourcenschonung in allen Bereichen hinzu.“

Trotzdem bleiben in den Unternehmen die Potenziale oft ungenutzt. „Ich würde sagen, dass die vorhandene Leistungsfähigkeit im gesamten Auftragsmanagement, also vom Verkaufsaußendienst bis zur Einsteuerung in die Produktion inklusive Terminsteuerung, Materialwirtschaft etc. im Schnitt bis zu 75% ausgereizt wird – im Vergleich zum Benchmark von 100%. In der Vorstufe ist der Unterschied deutlicher ausgeprägt als im Druck und in der Weiterverarbeitung. Dennoch würde ich den Schnitt auch hier bei etwa 70% ansetzen. Wenn man das vergleicht, hat jeder Bereich für sich genommen noch ein erhebliches Potenzial“, erläutert Eckhard Bölke.

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