Mut zur Lücke ist fehl am Platz

Der Integrationsprozess zur nachhaltigen Medienproduktion in der Druckbranche ist scheinbar ins Stocken geraten. Noch immer sind es weit weniger als 10% der Druckunternehmen, die sich überzeugend im Umweltschutz engagieren. Was fehlt, sind Konzepte und klare Strategien, um die Trias der Nachhaltigkeit glaubwürdig umzusetzen. 

Es ist schon ein Paradoxon. Der Verbraucher wünscht sich ein Mehr an ökologischer und sozialer Verantwortung von den Industrien. Der Markt für Bio, fair oder regional gehandelt wächst kontinuierlich. Viele Unternehmen werden nicht nur dieser Anforderung gerecht, sondern nehmen auch ihre Verantwortung sehr ernst. Allein die Kommunikation bleibt außen vor, denn für Markenartikler und Printbuyer ist es ebenso schwer wie für Medienproduktioner, Partner in der Medienindustrie zu finden, deren Produktion ebenso wie deren Produkte nachhaltig sind.

Ein entscheidender Grund ist sicherlich die Fülle der Labels, Siegel und Zertifizierungsverfahren. Die Etikettierung von Nachhaltigkeit nimmt immer mehr die Formen des Wildwuchses an. Klare Strategien der Druckanbieter sind dahinter oft nur schwer zu erkennen. Dieser Umstand wird durch die Studie „Drucken, Standards für Nachhaltigkeit und Kommunikation“ von Print & Media Certification Ltd. deutlich unterstrichen. Die Studie fußt auf einer Befragung europäischer Druckdienstleister. Gerade einmal 7,3 Prozent der beteiligten Unternehmen sagten aus, dass die Botschaft Nachhaltigkeit richtig vermittelt wird. Insbesondere kleinere Druckdienstleister, so die Studie, schreckten aufgrund der vermeintlich hohen Kosten, beispielsweise einer Standardisierung, vor ersten Schritten in Richtung Nachhaltigkeit zurück. Diese Angaben werden auch von einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 2.500 Printbuyern von druckdeal.de bestätigt. Das Ergebnis wird im Sommer 2012 im Magazin “Nachhaltige Medienproduktion” von Verlag German Publishing Group, GPG, veröffentlicht.

Zugegeben, viele Zertifizierungsverfahren sind an sich nicht nur aufwändig, sondern kosten auch Geld. Entscheidend ist aber viel mehr, dass die damit verbundenen Änderungsprozesse in den Unternehmen oft weitreichende Konsequenzen haben können. Dabei wird übersehen, dass die Folgen nicht nur ökologische, sondern auch konkrete ökonomische Vorteile  sind – und das sollte doch angesichts sinkender Marken eigentlich eine der Hauptmotivationen sein.

Was tun, sprach Zeus?

Nachhaltigkeit bedeutet Zukunft. Diese Idee in der Branche zu etablieren, ist wohl die wichtigste Aufgabe der wenigen Akteure in Sachen Nachhaltigkeit.  Sie dürfen nicht müde werden, die relevanten Themen zu kommunizieren und keine Chance auslasse, die Potenziale einer nachhaltigen Handlungsweise in die Öffentlichkeit zu tragen.

Es bedarf weiterhin der Entwicklung einfacher und effektiver Verfahren und Empfehlungen um Printbuyern, Medienverantwortlichen und Entscheidern, die Nachhaltigkeitsaspekte des gesamten Entscheidungs- und Entstehungsprozesses für Medien zu demonstrieren. Dazu ist kein neuer Metastandard notwendig, der wiederum um Anerkennung buhlen müsste. Es ist vielmehr die Aufgabe der Nachhaltigkeitsmissionare, eine sinnvolle und glaubwürdige Navigation durch den Dschungel der Möglichkeiten zu ermöglichen. Dazu Marcus Timson, Geschäftsführer der EcoPrint: „Immer deutlicher zeigt sich die Unsicherheit der Branchenteilnehmer über den Begriff der Nachhaltigkeit als Hemmschuh. Wenn unsere Branche auch künftig im Rennen bleiben soll, müssen wir eine transparente, offene Debatte einleiten – eine Bestandsaufnahme über Stärken und Schwächen. Die Klärung dieser Fragen innerhalb der Branche wird die Ansprache unserer Zielgruppen erheblich erleichtern.“

Aufgabe und Lösungsansätze

Die professionelle Moderation zwischen Industrie, Verbänden, Organisationen und Unternehmen zu gewährleisten leisten in erster Linie Fachkongresse und Messen. „Die EcoPrint, aber auch der Media Mundo-Kongress und die zugehörigen Media Mundo-Projekte bieten dazu eine sinnvolle und gute Basis. Diese Arbeit kann nicht hoch genug bewertet werden, denn was derzeit fehlt, sind Schulterschlüsse“, kommentiert Jürgen Zietlow, Herausgeber der Spezialpublikationen und Initiator des marktführenden Branchenportals druckdeal.de. „Der f:mp. moderiert mit seiner Media Mundo Initiative vorbildlich und bringt die richtigen Interessengruppen an einen Tisch.“

Im Rahmen der Kongresse, Plattformen und Gremien treffen sich Verbände, Druckereien, Umweltagenturen, Institute, Industrieunternehmen, Experten und beispielsweise Recyclingunternehmen und kommen miteinander ins Gespräch. Zwar haben diese derzeit noch keine fertigen Ergebnisse parat, aber im konstruktiven Prozess zeichnen sich bereits erste Ergebnisse ab. Besonders der f:mp., der Fachverband Medienproduktioner e.V., hat nicht nur den Begriff der nachhaltigen Medienproduktion maßgeblich mitgeprägt, sondern sich mit der Media Mundo-Initiative als „Green Round Table“ für die Medienbranche etabliert. Somit wird auch ein Stück weit Verantwortung für einen wichtigen Prozess im Schutz der Ökologie übernommen, der gleichzeitig dem ökonomischen Prinzip und der sozialen Verantwortung Rechnung trägt.

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Neueste Studienergebnisse des Corporate Sustainability Barometers (Download) der Leuphana-Universität und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) bestätigen, dass die größte Motivation deutscher Unternehmen, Nachhaltigkeitsthemen zu bearbeiten, in der Pflege ihrer Reputation und ihres Images liegt. Nur knapp die Hälfte der befragten Unternehmen analysiert überhaupt die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaktivitäten auf Produktivität und Effizienz und lässt damit großes Potenzial ungenutzt. Weiterlesen

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