APP – trotz Zertifikat, bleibt Vorsicht geboten!

Trotz einer steigenden Anzahl aufgeklärter Verbraucher und einer stetig wachsenden Fläche, die nach Kriterien des FSC oder PEFC zertifiziert sind, gibt es immer noch schwarze Schafe in der Holz- und Zellstoffproduktion, die weiterhin dem Raubbau an schützenswerten Urwäldern frönen und denen aufgrund widersprüchlicher Informationen nur schwer das Handwerk zu legen ist; an vorderster Stelle ist der indonesische Papierproduzent Asia Pulp and Paper (APP) zu nennen. Weiterlesen

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WWF: Bundeskanzlerin muss in Indonesien auf vereinbarte Umweltauflagen bestehen

Nach den Vorwürfen des Greenwashings durch “Eyes on the Forest” (Media Mundo berichtete), geht es nun weiter:

Der WWF fordert die Bundeskanzlerin auf, nicht erneut mit deutschen Steuergeldern die Abholzung des indonesischen Regenwaldes zu finanzieren. Anlässlich der aktuellen Indonesien-Reise von Angela Merkel sei es an der Zeit, auf die Einhaltung bestehender Verträge zu pochen. 

Asia Pulp & Paper (APP), einer der weltweit größten Papier- und Zellstoffproduzenten, sei im großen Maßstab für die Vernichtung von Regenwäldern in Indonesien verantwortlich und verletze damit seine Verpflichtungen. Durch Hermes-Bürgschaften war der Bund zu einem der größten Gläubiger des Konzerns aufgestiegen. Nachdem sich APP 2001 für zahlungsunfähig erklärt hatte, verzichtete die Bundesregierung auf Teile der Forderungen und der Konzern stimmte im Gegenzug Umweltauflagen zu. Wie aus einem aktuellen Report des WWF und anderer NGOs hervorgeht, hat APP die Auflagen jedoch gebrochen. Es sei nun Aufgabe der Kanzlerin, deren Erfüllung einzufordern und zukünftige Bürgschaften für umweltschädliche Geschäfte auszuschließen.

„Abholzungen dürfen nicht mit Steuergeldern finanziert werden. APP hat auf Sumatra bereits mehr als zwei Millionen Hektar Regenwald zerstört – eine Fläche größer als Rheinland-Pfalz“, sagt WWF-Waldreferentin Susanne Gotthardt. „Ein einmaliges Naturparadies droht zu verschwinden und mit ihm seltene Arten wie Tiger und Orang-Utans.“

Nach Angaben des WWF konnte APP seine Produktion in den vergangenen Jahrzehnten auch durch rege Geschäftsbeziehungen zu deutschen Firmen erheblich steigern. Der deutsche Staat versicherte diese Geschäfte mit Hermes-Bürgschaften im Wert von rund 875 Millionen Euro, zum Beispiel für die Lieferung von Papiermaschinen. Mehr als 600 Millionen Euro wurden davon fällig, weil APP nicht zahlen konnte. Um das Unternehmen zu retten, stimmte die Bundesregierung einer Umschuldung zu.

„APP hat sich die Umschuldung mit der Zusage erkauft, seinen Holzbedarf ab 2007 ausschließlich aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen zu decken. Außerdem sollten einige besonders wertvolle Waldareale geschützt werden. Gegen beide Auflagen hat APP verstoßen“, so Gotthardt weiter. Wie aktuelle Satellitenbilder und Ortsbegehungen bewiesen, sei der Papierkonzern noch heute für die Rodung tropischer Urwälder verantwortlich. Bereits mehr als ein Drittel der laut Vertrag zu schützenden Flächen seien abgeholzt.

Report unter wwf.de/presse

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Johannes Zahnen, WWF Deutschland

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Berlin, 16. Februar 2012 – Der international agierende Papier- und Zellstoffkonzern Asia Pulp & Paper (APP) behauptet, unabhängige Zertifizierer und Organisationen hätten dem Unternehmen eine Arbeit nach allgemein gültigen “Nachhaltigkeitskriterien” attestiert. Aktuelle Recherchen der Umweltschutzorganisation WWF aus 2011 belegen jedoch, dass der Konzern weiterhin Tropenwälder abholzt. Außerdem hat der WWF nach einer umfassenden Befragung der angeführten “unabhängigen Dritten” herausgefunden, dass APP, wenn überhaupt, nur in kleinen Sektoren und auf einzelnen Plantagen nachhaltig agiere. Viele der angeführten Zertifizierer, darunter auch der TÜV, teilten sogar mit, sie hätten APP und die betreffenden Subunternehmer gar nicht auf entsprechende Kriterien überprüft. “APP täuscht und beschönigt in Bezug auf seine Nachhaltigkeit”, schließt Susanne Gotthardt, Referentin Südostasien beim WWF Deutschland das Ergebnis der Untersuchung zusammen.

Unklar sei zudem, so der WWF-Vorwurf, wie APPs harter Expansionskurs mit seiner angeblichen Nachhaltigkeitsstrategie vereinbar sei. “Es ist höchste Zeit, dass APP Taten auf seine Worte folgen lässt. Allzu häufig sind die gemachten Versprechungen in der Vergangenheit nicht eingehalten worden”, fordert Gotthardt. Nicht ohne Grund habe man dem Unternehmen das FSC-Logo aufgrund schwerwiegender Verstöße im Jahr 2007 aberkannt.

APP hat seit 1984 in Indonesien mehr als zwei Millionen Hektar Tropenwald abgeholzt. Allein auf Sumatra und Borneo finden über 90 Prozent der Regenwaldvernichtung Indonesiens statt. Durch den Lebensraumverlust kämpfen das Java- und Sumatra-Nashorn, Orang-Utan, Tiger und Elefanten um ihr Überleben. Zudem haben die Wälder als Kohlenstoffspeicher eine enorme Bedeutung für die Stabilität des Weltklimas. Zu den befragten und von APP fälschlicherweise als Kornzeugen für die angebliche Nachhaltigkeit angeführten Organisationen und Zertifizierer zählen u.a. der TÜV, SGS, AFNOR, offizieller Auditor für das europäische Ecolabel oder auch PEFC.

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