Was ist bei der Wahl des Verpackungsmaterials zu berücksichtigen?

Eine Frage, die sich nicht nur der umweltbewusste Konsument an der Supermarktkasse stellt, wenn er gerade wieder seine Jutetasche vergessen hat, sondern auch immer mehr Unternehmen, die eine zu ihrem Produkt passende Verpackung suchen.

Plastikflaschen

(c) maspi / photocase.com

Lebenszyklusanalysen, Treibhausgas- und Ökobilanzen erfahren dadurch eine große Nachfrage. Ihre Ergebnisse sind in den meisten der Fälle aber keiner Verallgemeinerung zugänglich, da sie zu speziell sind und auch keine gesicherten Aussagen über die Nutzung und Entsorgung der Produkte durch den Konsumenten zulassen.

Wenn Sie also eine einheitliche Antwort auf diese Frage erwarten, muss ich Sie leider enttäuschen: DIE eine richtige Antwort gibt es nämlich nicht.

Es gilt, jeweils von Fall zu Fall zu entscheiden. Dafür brauchen Sie einige Hintergrundinformationen und vor allem gesunden Menschenverstand, mit dessen Hilfe in den meisten der Fälle recht schnell entschieden werden kann, ob eine Sache zweckdienlich ist oder nicht. Beispielsweise würde niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, Toilettenpapier aus Plastik herzustellen. Dieses „Toilettenplastik“ wäre kein zweckdienlicher Gegenstand. Gleiches gilt für Hygienepapiere an sich.

Genauso wenig ist es eine Lösung, Produkte gar nicht zu verpacken. Das mag vielleicht noch für Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt funktionieren, spätestens beim Joghurt steht man aber vor einem Problem.

Eine Verkaufsverpackung unterstützt die Haltbarkeit einer Ware und dient ihrem Schutz auf dem Weg vom Handel bis zum Endverbraucher. Darüber hinaus kann eine Verpackung durch ihre räumliche und/oder farbliche Gestaltung und als Trägerin von Informationen in Form von Aufschriften und Bildern zusätzliche Dienste leisten. Die Entscheidung für eine bestimmte Verpackung dient daher heutzutage mehr denn je der möglichst schnellen, einfachen, einprägsamen und dauerhaften Identifikation eines Produktes auf dem Markt. Sie muss die sogenannte Persönlichkeit des Produktes und der jeweiligen Marke vermitteln und dient vor allem auch der Abgrenzung zu Konkurrenzprodukten. Beispielsweise ließ dm für die naturnahe Produktreihe „Alverde“  von der Uni Würzburg ermitteln, welches Material am ökologischsten und damit geeignetsten ist.

Zugleich stehen Verpackungen in unserer heutigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft für wachsende Müllberge. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren von den 455 kg Müll, der pro Kopf in deutschen Haushalten im Jahr 2009 anfiel, 199 kg Haus- und Sperrmüll, 143 kg Wertstoffe und etwa 111 kg Bioabfall. Eine beachtliche Menge, deren Trennung und Rückführung in das System zur Wiederverwertung Kommunen vor erhebliche finanzielle Herausforderungen stellt. Wie immer muss der Bürger für die steigenden Kosten der Entsorgung aufkommen.

Gerade im Hinblick auf knapper werdende Rohstoffe wäre es jedoch besser, am vorderen Glied der Kette anzusetzen. Weniger und leichtere Verpackung sind nicht nur unter ökologischen Aspekten sinnvoller, sie bringen Unternehmen auch ökonomische Vorteile, da Material- und Transportkosten eingespart werden können.

Wieder einmal hat sich Puma dieser Problemstellung in vorbildlicher Weise genähert und aus der Umverpackung ihrer Schuhe “Clever Little Bags” gemacht. Neben der Reduktion des Gewichts und Materials hat die Verpackung eine Aufwertung durch einen Zusatznutzen erfahren. Die Schuhbeutel eigenen sich hervorragend zur Aufbewahrung und zum Transport der „Treter“ oder anderer Gegenstände.

Die Entstehungsgeschichte des Clever Little Bag können Sie sich per Video ansehen:

Vor dem Hintergrund endlicher Rohstoffe rückt auch das Thema nachwachsender Rohstoffe in den Vordergrund. Papier ist ein nachwachsender Rohstoff, Plastik hingegen nicht. Auch ist Plastik nur bis zu einem gewissen Grad rezyklierbar. Biologisch abbaubare Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Stärke, Zellulose oder Polymilchsäure würden theoretisch eine gute Alternative bieten; insbesondere im Lebensmittelbereich, wo Produkte rasch konsumiert und Verpackungen nach dem Verzehr des Inhalts weggeworfen werden, jedoch steht die Erprobung solcher Ersatzstoffe erst am Anfang.

Derzeit fehlt es noch an einem flächendeckenden System zur Entsorgung und zur Wiederverwertung dieser Kunststoffe, die hierfür sortenrein getrennt werden müssten, wie ein aktuelles Gutachten der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zu Danone Activia-Joghurtbechern aus Polylactid (PLA), einem maisbasierten Kunststoff, bestätigt.
Solange diese Problematik bestehen bleibt, kann und darf keinesfalls – wie von Danone – behauptet werden, dass Biokunststoffe “umweltfreundlicher” als konventionelle Kunststoffe sind. zwar haben PLA-Becher in den drei Kategorien Klimawandel, fossiler Ressourcenverbrauch und Sommersmog Vorteile gegenüber fossilen Kunststoffbechern, gleichzeitig wurden aber Nachteile in den restlichen Wirkungskategorien, wie zum Beispiel Versauerung, Eutrophierung, Humantoxizität oder Naturraumbeanspruchung festgestellt. Der letzte Punkt geht mit der ethischen Debatte um Konflikte zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen einher, der durch die oben genannte Option des Recyclings eingedämmt werden könnte.

Sie sehen, es ist wahrlich nicht einfach die richtige Wahl bei der Verpackung zu treffen. Wichtig ist, sich genaue Gedanken zu den Hintergründen des verwendeten Materials zu machen.

ähnliche Artikel: